| Veranstaltung: | Kreismitgliederversammlung 19.09.2026 |
|---|---|
| Tagesordnungspunkt: | TOP 8 Anträge |
| Antragsteller*in: | Ida Holschbach, Amana Pak, Marlene Hansmann, Maximilian Vogel |
| Status: | Eingereicht |
| Eingereicht: | 12.09.2026, 21:49 |
A8: Content, der slappt, statt Slop: Für Kreativität & Klarheit in Grüner Kommunikation
Antragstext
Die Kreismitgliederversammlung von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Köln beschließt, dass
der Kreisverband Köln und seine Gremien, Organe und Arbeitskreise auf die
Nutzung jeder generativen Bilderzeugung oder Modifikation zu Zwecken der
parteiinternen und öffentlichkeitswirksamen Kommunikation verzichten. Die GRÜNEN
Köln empfehlen all ihren Mandatsträger*innen, es ihnen gleich zu tun.
I. Menschen, nicht Maschinen
Wie wir nach außen und innen kommunizieren, ist zentral für unsere Mitglieder
und Wähler*innen.
Die Erzeugung von Bildern mit sog. Künstlicher Intelligenz* ist nicht mit
unseren Grünen Grundwerten vereinbar.
Billige KI-generierte Bilder sind auf den ersten Blick an seltsam verschobenen
Dimensionen, kryptischen Buchstaben und grotesken Details erkennbar. Aber auch
realistischere Bilder leiden unter stereotypisierten Darstellungen von uns
Grünen. Dabei sind wir echte, nahbare Menschen, die sich jeden Tag für diese
Partei und ihre Werte einsetzen. Bei uns zählt das Individuum, und das sollten
wir auch kommunizieren: Wir stellen reale Menschen ins Zentrum, nicht künstliche
Kreationen. [1]
Unseren Social-Media-Auftritt und unsere Kommunikation gestalten Menschen, egal
ob haupt- oder ehrenamtlich, und sie denken über jeden Pixel und jeden
Buchstaben nach. Frei nach dem Motto „why should I read what you didn‘t bother
to write“: Warum sollten Menschen sich für unsere Posts interessieren, wenn wir
uns keine Mühe bei der Erstellung gemacht haben? [2]
II. Klima- und Umweltzerstörung durch KI-Rechenzentren
KI-Rechenzentren schlucken Unmengen an Wasser, während der Rhein trockenfällt
und in Europa das Trinkwasser knapper wird. Umso schlimmer, dass der
Wasserverbrauch von KI-Rechenzentren noch steigen wird, und 2030 so viel Wasser
benötigen könnte wie 1,3 Milliarden Menschen. [3] Die rechenaufwendige
Generation von Bild- und Videodateien ist besonders energie- und
wasseraufwendig.
KI-Rechenzentren sorgen zudem für Unmengen an Elektroschrott. Grafikkarten in
Rechenzentren haben nur eine geringe Nutzungsdauer. Insgesamt könnten bis zu 2,5
Millionen Tonnen zusätzlicher Elektroschrott pro Jahr bis 2030 entstehen.
DieserElektroschrott enthält nicht nur Materialien, die nur unter hohen
Umweltkosten hergestellt werden konnten, sondern kann auch giftig und schwer
recycelbar sein. [4]
Als Grüne stehen wir für einen sorgsamen Umgang mit unseren natürlichen
Ressourcen und prangern Wasserverschwendung nicht nur an, sondern fordern und
fördern Lösungen. Mit dieser Politik ist eine Nutzung von KI-generierten Bildern
unvereinbar.
III. Stromfresser
Der immense Energiehunger von KI droht den Erfolg der Energiewende zu
vernichten. Der für KI notwendige Strombedarf könnte sich verdoppeln. [5] Dieser
Energiebedarf soll durch neue fossile Kraftwerke gedeckt werden. Auch in
Deutschland werden Dieselgeneratoren oder Gaskraftwerke eingesetzt, nur um
Rechenzentren zu betreiben. [6] Für KI-Rechenzentren sollen sogar Atomkraftwerke
gebaut oder reaktiviert werden. [7] Jede Anfrage und jede Bildgenerierung
verbrauchen Energie und befeuert Unternehmen in ihrem Eifer, immer neue
Rechenzentren zu bauen. In Anbetracht der immer deutlicher werdenden
Klimakatastrophe ist das fatal.
IV. Das ist alles nur geklaut
Generative KI basiert auf dem Training mit den Werken von Künstler*innen und
Kulturschaffenden, die ohne ihr Einverständnis und ohne Gegenleistung
verarbeitet wurden. Zu befürchten ist auch ein Substitutionsdruck: Es könnten
keine neuen Aufträge für Stock-Fotograf*innen, Grafikdesigner*innen u. ä.
entstehen, wenn KI-generierte Bilder verwendet werden. Fotograf*innen und
Grafikdesigner*innen fällt damit eine wichtige Einnahmequelle weg: KI
substituiert ihre Werke und verdrängt Menschen aus ihrer Arbeit. Davon
profitieren allein große amerikanische Tech-Konzerne, während hier Arbeitsplätze
verschwinden. [8]
V. Cleane Grafik, blutige Hände
Die für die Entwicklung von KI-Modellen nötige Datenannotation verursacht Leid
und psychische Belastung bei Arbeitskräften im globalen Süden: Damit ein Modell
mit Bildern und Videos trainiert werden kann, müssen menschliche Arbeitskräfte
zuvor unzählige Bilder und Videos ansehen, beschriften und bewerten. Diese
enthalten auch belastende Inhalte, die von pornografischen Aufnahmen bis hin zu
Kriegs-, Mords- oder Missbrauchsdarstellungen reichen. [9] Diese Kosten sollten
wir abwägen, bevor wir KI zur Bildgenerierung nutzen.
VI. KI-Rechenzentren sind unbeliebt
Im Maintal wurde ein Rechenzentrum, das mit einem eigenen Gaskraftwerk betrieben
sollte, nach Widerstand in der Bevölkerung gestoppt. [7] Auch in den USA zeigt
sich: Neben einem lärmenden, hässlichen Klotz, der die Umgebung noch zusätzlich
erhitzt, will niemand wohnen. [10] Und wenn wir ehrlich sind: Wir wären gegen
ein solches KI-Rechenzentrum in Köln, also ist es nur stringent, dass wir die
Technologie auch nicht nutzen.
VII. Fazit
KI-Technologien prägen unsere Arbeit und unsere Gesellschaft. Nichtsdestotrotz
können wir entscheiden, wie, wofür und welche KI-Technologien wir nutzen: Wir
achten auf Datensparsamkeit, ökologische Verantwortung, den Schutz
schöpferischer Leistung, offene Standards und eine starke europäische digitale
Infrastruktur. [11]
Wenn wir aber für unsere Kommunikation eine Technologie verwenden, der die
Menschlichkeit fehlt, die Menschen ihrer Arbeit und uns alle unserer
Lebensgrundlagen beraubt, verspielen wir das Vertrauen in unsere Politik.
Referenzen:
* Wir verwenden den Begriff KI als Abkürzung für Technologien, die als
„Künstliche Intelligenz“ bezeichnet werden. Dass dieser Begriff weder
trennscharf noch unumstritten ist, ist uns bewusst, auf eine Auseinandersetzung
oder andere Begriffswahl möchten wir allerdings für ein besseres Verständnis des
Antrags verzichten. Gemeint sind Angebote wie ChatGPT, Claude, Nano Banana oder
Imagen.
[1] BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Design. Unser Bildstil,
https://design.gruene.de/4ccd94a80/p/32ae03-unser-bildstil.
[2] Wer trotzdem schnell und einfach Sharepics erstellen möchte, kann den
Sharepicgenerator nutzen: Immer im Grünen CD, und samt lizenzierten Stock Fotos
für jeden Anlass.
[3] UNU-INWEH Report: Aczel, M., Chamanara, S., Matin, M., Farsi, A., Marwala,
T., Madani, K. (2026). Environmental Cost of AI's Energy Use: Carbon, Water and
Land Footprints. United Nations University Institute for Water, Environment and
Health (UNU-INWEH), Richmond Hill, Ontario, Canada. doi: 10.53328/INR26RMA002 S.
[4] Wang, P., Zhang, LY., Tzachor, A. et al. E-waste challenges of generative
artificial intelligence. Nat Comput Sci4, 818–823 (2024).
https://doi.org/10.1038/s43588-024-00712-6
[5] UNU-INWEH Report: Aczel, M., Chamanara, S., Matin, M., Farsi, A., Marwala,
T., Madani, K. (2026). Environmental Cost of AI's Energy Use: Carbon, Water and
Land Footprints. United Nations University Institute for Water, Environment and
Health (UNU-INWEH), Richmond Hill, Ontario, Canada. doi: 10.53328/INR26RMA002,
S. 32ff.
[6] Werner, K, Kleinz, T (11.05.2026). Bürger stoppen »fossiles Rechenzentrum«
in Maintal, Der Spiegel. https://www.spiegel.de/wirtschaft/maintal-
buergerprotest-stoppt-fossiles-rechenzentrum-bei-frankfurt-a-4c318c68-1cb6-4907-
a0b6-5d2866e03781
[7] jk, Deutschlandfunk (27.10.2024). Wie das Internet den Ausbau der Atomkraft
antreibt. https://www.deutschlandfunk.de/atomkraft-akw-ki-energie-100.html
[8] Stellungnahme Prof. Dr. Katharina de la Durantaye, Ausschussdrucksache
21(22)102 vom 16. Februar 2026
[9] Chukunzira, A, Grünberger, N, Janus, P., Brodersen, M (2026). Das derzeitige
Fundament von KI ist nicht tragfähig, Bundeszentrale für politische Bildung.
https://www.bpb.de/lernen/digitale-bildung/werkstatt/577276/das-derzeitige-
fundament-von-ki-ist-nicht-tragfaehig/
[10] Jones, J. M. (13.05.2026). Americans Oppose AI Data Centers in Their Area.
Gallup. https://news.gallup.com/poll/709772/americans-oppose-data-centers-
area.aspx
[11] BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN (2026. Verwendung Künstlicher Intelligenz bei BÜNDNIS
90/DIEGRÜNEN. Antrag, beschlossen auf dem Länderrat 2026:
https://antraege.gruene.de/1lr26/verwendung-kunstlicher-intelligenz-bei-bundnis-
90-die-grunen-59840, vgl. insb. Z. 14 ff.
Begründung
Begründung erfolgt mündlich.
FAQ:
- F: Diese Argumente lassen sich auch auf andere KI-Werkzeuge übertragen. Warum bezieht sich dieser Antrag nicht auch auf solche?
- A: Bildgeneration ist nicht nur aufwendiger und ressourcenintensiver als Textgenerierung, sondern auch deutlich einfacher zu erkennen. Wir rufen alle dazu auf, sog. KI sparsam und bedacht einzusetzen.
- F: Sog. KI-Technologie hat doch noch andere Probleme: Sie begünstigt Falschinformationen, verstärkt globale Ungerechtigkeit, ist sexistisch...
- A: Ja, KI ist ein schwieriges Thema. Dieser auf dem Länderrat 2026 beschlossene Antrag ist ausführlicher: https://antraege.gruene.de/1lr26/verwendung-kunstlicher-intelligenz-bei-bundnis-90-die-grunen-59840
- F: OpenAI und Anthropic und KI-Entwickler warnen vor einer existentiellen Bedrohung der Menschheit durch KI, womöglich schon bis Ende des Jahrzehnts. Warum kommt das in eurem Antrag nicht vor?
- A: Mit dramatischen Narrativen steigt der Wert der KI-Aktien. Und existentielle Bedrohungen gibt es genug.
- F: Aber ich nutze gerne KI!
- A: Das freut uns. Dieser Antrag bindet nur die Grünen Köln und gilt als Empfehlung für Mandatsträger*innen.